Jetzt neu: die Videodoku der Buskampagne (33 min.)

Der Film auf YouTube


Zum Abschluss der Kampagne

medley_1Am 18. Juni 2009 endete die Deutschlandrundfahrt unserer „gottlosen“ Buskampagne. Hier unser Resumée:

Die „Atheist Bus Campaign“ war international eine der meistbeachteten und umstrittensten Werbekampagnen 2009. In Deutschland haben wir mehr als 20 Millionen Menschen mit unserer Botschaft erreicht, dass Nichtreligiöse eine stärkere Präsenz in öffentlichen Debatten einfordern. Dass sie positive Werte haben und im Zentrum der Gesellschaft stehen. Kirchen und andere Institutionen konnten wahrnehmen, dass sie mit Nichtreligiösen in Zukunft stärker rechnen müssen – als kompetentem Gegenüber auf gleicher Augenhöhe. Die Kampagne hat mittlerweile Eingang in Museen und Schulbücher gefunden.

Neben harscher Kritik haben wir haufenweise lebhafte Zustimmung erfahren. Für einige Monate sind wir zu Aktivisten in Sachen „Unglauben“ geworden – für ein Thema, das vor Jahren kaum eine Erwähnung wert gewesen wäre. Ein neuer religiöser Fundamentalismus hat sich etabliert und den „neuen Atheismus“ als entschiedene Gegenwehr auf den Plan gerufen. Evangelikale, Kreationisten und Islamisten beherrschen die öffentliche Wahrnehmung mit ihren Themensetzungen nicht länger allein – und das ist gut so.

Daneben beziehen aber auch traditionelle Christen wieder Positionen, die wir für längst überwunden gehalten hatten. Einige Beispiele aus den vergangenen Monaten:

„Wo Gott geleugnet oder bekämpft wird, da wird bald auch der Mensch und seine Würde geleugnet und missachtet. Eine Gesellschaft ohne Gott ist die Hölle auf Erden.“ verlautbart  Bischof Mixa in seiner Osterpredigt. Und bedient sich der Geschichtsklitterung, Hitler und Stalin mit allen Nichtgläubigen in einen moralischen Topf zu werfen.

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„Säkularer Staat heißt nicht »gottloser Staat«.“ Zum Abschluss seiner Islamkonferenz erteilt unser gläubiger Innenminister dem Islam demonstrativ den Ritterschlag in Bezug auf die Vermittlung von Werten – etwa in einem bekennenden Islamunterricht an Schulen. Für Moral seien schließlich („nicht nur, aber auch“) die Religionen zuständig und jedenfalls nicht der Staat.

„Es geht um die Freiheit!“ Für konfessionell getrennten, bekennenden Religionsunterricht als Wahlpflichtfach stritt auch die Initiative ProReli in Berlin. Mit ihrer auch unter Christen umstrittenen Argumentation schoss sich die Kirche letztlich ein Eigentor – nicht ohne vorher tausende Menschen für die vermeintlich gute Sache mobilisiert zu haben.

„Der Humanismus, der Gott ausschließt, ist ein unmenschlicher Humanismus. Nur ein für das Absolute offener Humanismus kann uns bei der Förderung und Verwirklichung von sozialen und zivilen Lebensformen … leiten, indem er uns vor der Gefahr bewahrt, zu Gefangenen von Moden des Augenblicks zu werden.“ Auch der Papst schenkte den Nichtgläubigen in seiner neuen Sozial-Enzyklika ordentlich ein. (Vielleicht sollte er sich trotzdem einmal überlegen, im Vatikan endlich die neumodische Europäische Menschenrechtskonvention zu ratifizieren.)

„Blasphemie kann mit einer Geldstrafe bis zu 25.000 Euro belegt werden.“ In Irland wurde jüngst ein Gesetz verabschiedet, das nach gängigen europäischen Rechtsnormen nichts weniger als ein Skandal ist. Aber auch in Deutschland gibt es noch einen Paragraphen, der in religiösen Belangen die öffentliche Ruhe höher taxiert als die Freiheit der Meinungsäußerung.

„Die Lehrer, die von Evolution erzählen, haben es wahrscheinlich auch nur so gelernt. … Lies die Bibel und bete zu Gott.“ Mit kreationistischen Unterrichtsmaterialien aus dem Missionswerk Heukelbach wird auch an deutschen Grundschulen versucht, die gewissenhaft errungenen Erkenntnisse ganzer Forschergenerationen zugunsten eines biblischen Weltbildes in Misskredit zu bringen.

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Mitten im Europa des 21. Jahrhunderts erleben wir solche Eruptionen einer „Frömmigkeit wider besseres Wissen“. Als Nichtgläubige empfinden wir das als rückschrittlich, anmaßend und gefährlich. Es sollte klar sein: Für zwischenmenschliche Werte ist kein Gottesglaube notwendig, Solidarität und Nächstenliebe haben ihren Ursprung im natürlichen Verhalten des Menschen.

Zu viele moderne Werte mussten gegen die Religionen errungen werden: Demokratie und Gleichberechtigung, Meinungs- und Pressefreiheit, die Freiheit von Wissenschaft und Kunst, das Verbot von Folter und Todesstrafe, Minderheitenschutz und Toleranz gegenüber Andersdenkenden.

Aber hören wir auf zu jammern: Unsere neue Website www.gottlosgluecklich.de möchte ein positives Bild vom Unglauben vermitteln. Nach Auswertung der vielen Diskussionen um die Buskampagne wird hier klar und sachlich gezeigt, wie Menschen dazu kommen, nicht an Gott zu glauben – und warum es ihnen an nichts fehlt. Vielleicht trägt dies künftig zu etwas mehr Verständnis im Umgang mit Atheisten, Humanisten, Agnostikern & Co. bei.
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Haben wir noch drei Wünsche frei?
Als Quintessenz unserer Erfahrungen möchten wir drei Forderungen aufstellen, die aus unserer Sicht Grundlage eines fairen Miteinanders von Gläubigen und Nichtgläubigen jeglicher Couleur sein sollten:

1. Toleranz gegenüber Andersdenkenden. So wie Nichtreligiöse niemandem seinen Glauben ausreden können und wollen, möchten wir nicht als moralisch Minderbemittelte angesehen werden, die vom Pfad abgekommen sind. Mit einem Drittel der Bevölkerung stellen wir einen Kernbereich der Gesellschaft.

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2. Religion bzw. Weltanschauung ist Privatsache – und soll auch privat bezahlt werden. Der Staat sollte endlich aufhören, über großzügige Alimente (die ein Vielfaches der Kirchensteuer betragen) jeden Steuerbürger zum zahlenden Mitglied der christlichen Gemeinde zu machen.

3. Verzicht auf eine Missionierung unmündiger oder in Not geratener Menschen. Besonders Schulkinder müssen über Religion und Werte unterrichtet statt bekenntnisorientiert indoktriniert werden. Im geeigneten Alter können sie selbst entscheiden, ob sie religiös sein wollen oder nicht.

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für die Initiatoren und Organisatoren der Buskampagne___
Carsten Frerk, Peder Iblher, Philipp Möller___
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Fotos: Evelin Frerk u.a.


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Übersicht über die Verwendung der Spendengelder der Buskampagne

1. Busmiete 21 Tage, incl. Fahrer, Fahrer-Spesen und Benzin    24.042,76 €_______
2. Busbeschriftung und deren Entfernung    3.123,75 €_______
3. Miete Begleitfahrzeug Caravan, incl. Benzin    2.772,22 €_______
4. Kosten für PR und Öffentlichkeitsarbeit    1.202,41 €_______
5. Pressearbeit incl. Reisekosten hierfür    536,00 €_______
6. Spesen Busbegleitung    1.098,13 €_______
7. Reisekosten Busbegleitung    1.201,23 €_______
8. Unterbringung Busbegleitung    108,00 €_______
9. Büro, Organisation, Kommunikation    517,83 €_______
10. Kosten vor Ort (Standgenehmigungen, Raummieten, Gebühren, etc.)    3.155,41 €_______
11. Abschlussveranstaltung (Raummiete, Anlage, Gagen)    977,43 €_______
12. Dokumentation (Foto/Video, ext. Dienstleister, Software, Geräte)    4.066,38 €_______
13. Anwaltskosten bisher    22,05 €_______
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Bisherige Ausgaben    42.823,60 €_______
14. Sicherheitsreserve     4.446,40 €_______
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Spendensumme    47.270,00 €_______
davon Bankeinzug online    45.004,00 €_______
davon Direktüberweisung    2.266,00 €_______

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Warum diese Kampagne?

Buskampagne.de will die Botschaft der britischen Atheist Bus Campaign – ein Leben ohne Gott positiv zu sehen – nach Deutschland bringen. Denn auch hierzulande wird die Aufklärung als Fundament unserer Gesellschaft allzu oft verkannt. Auch hierzulande haben säkulare Menschen genug davon, absichtsvoll „übersehen“ oder moralisch diskreditiert zu werden.

Mit der Kampagne möchten wir öffentlich bekunden, dass eine nicht-religiöse, aufgeklärte Weltsicht eine positive Möglichkeit darstellt. Nichtreligiöse, Agnostiker und Atheisten sollen wahrnehmen können, dass sie nicht alleine sind, sie sollen mutiger werden, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen und sich in die öffentlichen Debatten einzumischen. Denn das Leben ohne einen Gott kann eine Bereicherung sein: angstfrei, selbstbestimmt, bewusst, tolerant und frei von Diskriminierungen.

Übrigens: Um eine “atheistische Missionierung” ist es uns nicht bestellt und wir haben auch noch niemanden von seinem Glauben abgebracht. Dieser Vorwurf wird gern von Christen erhoben, die froh sind, einen schwarzen Peter weiterspielen zu können, zu dem sie selbst ein zwiespältiges Verhältnis haben.

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Die Unterstützer dieser Kampagne

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