Presseerklärung der Buskampagne – säkulare Werbekampagne in Deutschland
zur Allerheiligenpredigt des Kölnischen Erzbischof Kardinal Meisner

Ein weiteres Mal konnte es sich – nach Herrn Mixas Osterpredigt – ein katholischer Würdenträger nicht verkneifen, Humanisten und Atheisten in einen Topf mit Massenmördern zu werfen. Wir protestieren entschieden dagegen, in der aktuellen Allerheiligenpredigt des Herrn Meisner in einem Atemzug mit Nazis und Stalinisten genannt zu werden und erwarten von ihm eine Richtigstellung.

In seiner Predigt spricht Herr Meisner einem auf Wissenschaft begründeten Weltbild pauschal jede moralische Urteilsfähigkeit ab und reduziert sie auf ein technokratisches Machbarkeitsdenken. Kein Wort davon, dass verantwortliches Handeln auf einem demokratischen gesellschaftlichen Konsens basieren muss. Der Herrgott allein und die Dogmen der Kirche sollen es richten, so Meisner.

Als Beleg dafür muss die strapazierte Geschichtsklitterung herhalten, nach der Hitler ein Atheist gewesen sei und die totalitäre Staatsreligion des Stalinismus das, was von Atheisten allgemein zu erwarten ist. Wir möchten klarstellen:

· Gerade die Katholische Kirche hat als Steigbügelhalter des italienischen, deutschen und spanischen Faschismus beträchtliche Schuld auf sich geladen. Unter dem Leitspruch “Gott mit uns” hat die Wehrmacht halb Europa überfallen. Hitler selbst hat sich in seinem Weltbild immer wieder auf einen angeblichen „Willen des Allmächtigen“ bezogen und keine Atheisten in seinem Kabinett geduldet. Bis heute wurde Adolf Hitler von der katholischen Kirche nicht exkommuniziert!

· Auch tief gläubige Staatsmänner wie George W. Bush haben offenbar kein besseres moralisches Rüstzeug als ihre atheistischen Kollegen. Von einer Unzahl blutrünstiger gläubiger Diktatoren einmal ganz abgesehen.

· Müssen wir ein weiteres Mal auf die Opfer hinweisen, die Inquisition, Hexenwahn, Kreuzzüge und Antisemitismus in der Geschichte forderten und die religiöser Fundamentalismus bis heute fordert? Nicht die barmherzigen Samariter, sondern die von Ihnen gescholtene Aufklärung haben die „gottgewollte“ Sklaverei, Feudalismus und Monarchie abgeschafft.

· Jede Behauptung von absoluten Wahrheiten ist mit einem humanistischen und wissenschaftlichen Weltbild unvereinbar. Wir fordern einen offenen, demokratischen Dialog gerade auch um ethische Grundfragen. Hierzu kann die Kirche wertvolle Beiträge leisten, wenn sie aufhört, ein Monopol auf Moral und Mitgefühl für sich zu reklamieren.

Wir sind allein für die öffentliche Aussage angefeindet worden, dass ein erfülltes Leben auch ohne Glauben möglich sei. Was Herr Meisner uns und allen anderen nichtreligiösen Menschen vorhält ist dagegen diffamierend und sachlich schlichtweg falsch.

Herr Meisner, Sie werden um eine Entschuldigung bei den Nichtgläubigen in diesem Lande und eine Richtigstellung Ihrer unverschämten und falschen Äußerungen nicht herumkommen. Andernfalls bitten wir die Mitglieder der katholischen Kirche darum, sich in Wort und Tat von solchen haarsträubenden Positionen zu distanzieren.

Die Initiatoren der Buskampagne
www.buskampagne.de


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