Informationen zum Hintergrund

Ein paar Informationen zu Weltanschauungen und Begriffen.

Im ersten Teil geht es um Begriffe, die – in alphabetischer Reihenfolge – skizzenartig die jeweiligen besonderen Merkmale beschreiben. Ein wissenschaftlicher Anspruch ist mit der Darstellung nicht verbunden.

Im zweiten Teil sind ein paar Texte aufgelistet – mit den Hyperlink auf die Fundstelle im Internet -, die, ausführlicher und mit Quellenangaben versehen, verschiedene Fragen behandeln.

1. Begriffe / Weltanschauungen

Agnostiker vertreten die Auffassung, dass man weder beweisen kann, dass es (einen) Gott gibt, noch, dass man beweisen könne, dass es ihn nicht gäbe. Eigentlich ein korrekter wissenschaftlicher Standpunkt, da sich „Wahrheiten“ nicht beweisen oder widerlegen lassen.

Kritiker, die eher einem entschiedenen Weltbild anhängen, bewerten Agnostiker jedoch als Unentschlossene, wenn nicht sogar als Unredliche, die sich im „Grabenkampf der Weltanschauungen“ für keine Seite entscheiden können oder wollen.

Atheisten sind von der Wortbedeutung her eigentlich nur „Gottlose“ oder „Menschen ohne einen Gott“. In diesem Sinne hängen sie aber mit dem Theismus verbunden, sind sozusagen das andere Ende der gleichen Wurst, oder wie es Heinrich Böll in ‚Ansichten eines Clowns’ schrieb: „Atheisten sind so langweilig. Ständig reden sie von Gott.“

Da jedoch die bewusste, d.h. wissentliche Gottlosigkeit nach katholischer Vorstellung eine „Todsünde“ ist – also ein Verhalten, das durch nichts und auch gar nichts entschuldigt werden kann -, ist es in christlichen Gegenden – und insbesondere in Deutschland – ein Schmähwort, mit dem Nicht-Religiöse diffamiert werden sollen. Da angeblich alle Kommunisten und Sozialisten gleichsam automatisch auch Atheisten seien, ist es eine Diffamierung von Konservativ-Klerikalen, die damit jeden politisch oder religiös Andersdenkenden diskriminieren (wollen).

Brights sind Naturalisten, die das Verständnis und die gesellschaftliche Anerkennung des naturalistischen Weltbilds, das frei von übernatürlichen und mystischen Elementen ist, fördern wollen. Amerikanische und europäische Anlaufstelle für weitere Informationen.

Deisten (lat. deus = Gott) sind der Auffassung, dass es zwar einmal – vor langer Zeit – einen Gott gegeben habe, dass der aber – seit ebenfalls geraumer Zeit – schlicht abwesend sei und die von ihm geschaffene Welt sich selbst überlassen habe. Entsprechend sähe die nun auch aus.

Humanisten haben im heutigen, weltanschaulichen Verständnis eine Auffassung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und sich u. a. vier Prinzipien verpflichtet fühlt: Dem Recht auf Selbstbestimmung, dem Wertebestimmten Leben Hier und Jetzt, ohne einen persönlichen Gott und mit Respekt vor anderen, die einen ebenfalls respektieren. Diese vier Prinzipien kann ein gläubiger Monotheist nicht unterschreiben, da die Gottbestimmte Moral, der Jenseitsbezug des Lebens, der Glaube an einen persönlichen Gott und die Intoleranz des exklusiven Wahrheitsanspruchs dem entgegenstehen.

Die Auffassung liberaler Christen, „irgendwie sind wir ja alle Humanisten“ interpretiert Humanismus entweder als einen diffusen Glauben an „das Gute“ oder sie beruht auf der irrtümlichen Auffassung, dass humanistische Werte wie Demokratie, Menschenwürde und Selbstbestimmung sich religiös begründen ließen.

Konfessionsfreie / Konfessionslose ist ein Begriff aus der staatlichen Religionsstatistik, die nur besagt, dass die/der damit Gemeinte kein Mitglied in einer anerkannten Religionsgemeinschaft ist. („confessio“ = ich bekenne).

Allerdings ist aus sozialwissenschaftlichen Untersuchungen bekannt, dass etwa 5 – 10 % dieser Konfessionsfreien sich selbst als „religiös“ verstehen, während etwa 15 % der evangelischen und 10 % der katholischen Kirchenmitglieder sich selbst als „Atheisten“ bezeichnen. Zudem glauben die meisten der christlichen Kirchenmitglieder in Deutschland nicht mehr an einen Gott, sind aber immer noch „transzendental“ orientiert, indem sie an eine „höheres Wesen, eine höhere Macht“ glauben.

Kreationisten meinen, in unterschiedlichsten Intensitäten, dass die biblische Schöpfungsgeschichte zutreffend sei. In dem Bemühen, dieser Auffassung auch in den Schulen gegenüber der Evolutionstheorie Geltung zu verschaffen, wurde in den USA die Idee des „Intelligent Design“ entwickelt, mit dem ein „wissenschaftlicher Anspruch“ behauptet wird und der dazu dient, die Schöpfungsgeschichte der Evolutionstheorie in den Schulen gleich zustellen oder die Evolutionstheorie zu verdrängen.

Monotheismus ist die Vorstellung, dass es nur einen Gott gäbe. Das trifft insbesondere für die drei so genannten „abrahamitischen Religionen“ zu, die sich alle auf Abraham als „Stammvater“ berufen: Judentum – Christentum – Islam, und die in dieser Reihenfolge auseinander entstanden sind.

Neuere religionswissenschaftliche Untersuchungen haben die These aufgestellt, dass der Islam aus einer christlichen Sekte entstanden ist, die sich nach dem Konzil von Nikäa (325 n.d.Z.) gebildet hatte, und die zu einer eigenen Religion weiter entwickelt wurde, als die expansiven Beduinen dann eine eigene religiöse Legitimation brauchten.

Naturalisten vertreten ein Weltbild, das frei ist von mystischen und übernatürlichen Elementen – seien es Feen, Kobolde, Götter oder Spaghettimonster. Zur Ermittlung der Realität verwenden Naturalisten wissenschaftliche Methoden, d.h. Aussagen müssen intersubjektiv überprüfbar sein oder zumindest einen hohen Grad von Plausibilität besitzen.

Neue Atheisten bezeichnet (seit Oktober 2006) in den Medien vor allem britische und US-amerikanische Intellektuelle, die in einer, für europäische Traditionen der Religionskritik, ungewohnten Schärfe und Respektlosigkeit gegen religiöse Vorstellungen angehen. Die Namen der Autoren wie Richard Dawkins („Der Gotteswahn“), Christopher Hitchens , Sam Harris und Daniel Dennet stehen dabei stellvertretend für weitere. Ihre Gemeinsamkeit besteht in der Konzentration auf die Nicht-Wahrheit in Religionen und den daraus resultierenden realen Wirkungen („Die Wurzel alles Bösen“).

Säkulare ist ein Sammelbegriff für alle Menschen, die sich als Nicht-Religiöse verstehen, d.h. die Vorstellung eines Gottes und/oder eines Jenseits ablehnen und im Hier und Jetzt dieser Welt leben. Weitere Schlussfolgerungen, sowohl hinsichtlich der Art oder Intensität ihrer Religionskritik wie auch ihrer politischen Auffassungen, lassen sich daraus aber nicht ableiten.

Theisten (von griech. theos = Gott) bezeichnet Menschen, die an (einen) Gott glauben. Die Idee jedoch, dass alle Theologen („Gotteskundler“) auch Theisten seien, trifft nicht zu, da es neuerdings auch z.B. eine „atheistische Theologie“ gibt.

Theodizeeproblem beschreibt den nicht lösbaren Widerspruch zwischen dem (angeblich) allgütigen und allmächtigen monotheistischen Gott und der Existenz des Übels auf der Welt. Wenn der allgütige Gott auch allmächtig wäre, dürfte es kein Übel auf der Welt geben, ebenso umgekehrt, wenn der allmächtige Gott gleichzeitig allgütig wäre, würde er ja kein Übel zulassen. Da es nun aber unwiderruflich viele Übel auf der Welt gibt (Not, Leid, Krankheiten, Elend, Kriege, etc., etc.) ist dieser Gott entweder nicht allgütig oder er ist nicht allmächtig.

Das Christentum versucht diesem Problem mit dem Dualismus von dem guten Gott und dem bösen Menschen auszuweichen, die jüdische Religion hat dieses Problem nicht, da alle Macht bei Gott liege und er für das Gute wie für das Böse verantwortlich sei.

2. Texte

Aus der Vielzahl von Texten sei hier nur eine kleine exemplarische Auswahl genannt, die eher auch darauf verweisen soll, mit welchem unterschiedlichen Fragen sich säkulare Autoren beschäftigen.

Wer sch über die Geschichte der „Freidenkerei“ in Deutschland informieren möchte, über ihre diversen Strömungen Themen und Persönlichkeiten, dem sei das Buch von Horst Groschopp empfohlen: Dissidenten. Freidenkerei und Kultur in Deutschland.

In einer zweiten Auflage steht es nun im Internet und ist eine wahre Fundgrube für den historisch Interessierten mit ausführlichen Quellen und Verweisen. Ein Schwerpunkt der Darstellung liegt dabei in der Geschichte des „Weimarer Kartells“, das sich 1090 bildete und den ersten Versuch einer politischen Bündelung freigeistiger Strömungen darstellt.

Ebenfalls von Horst Groschopp ist eine kurze aber informative Übersicht über die Anzahl und Zuordnungen der gegenwärtigen Säkularen Verbände in Deutschland. Wem das verwirrend erscheint, dem wird hier geholfen.

In dem Artikel „Bin ich Atheist?“ hat Gerhard Vollmer „für ernsthafte Zweifler“ eine ganze Reihe von Argumenten zusammengetragen, die sich mit der Titelfrage beschäftigen und die er für sich persönlich positiv beantwortet.

Über die gesellschaftliche Stellung, die Entwicklung und Wandlung des modernen Atheismus referiert Johannes Neumann.

In seinem Essay „Im unendlichen Universum ist der Mensch eine vernachlässigbare Größe.“ begründet Bernulf Kantscheider, seine philosophische Bestätigung für die Gottlosen: „Wir brauchen keinen Gott.“

Wer jedoch meint, dass eine säkulare, evolutionäre Sichtweise der Welt wie automatisch einen fröhliche Entwicklung zum ‚Besseren’ beinhalte, der wird von einem Artikel von Franz Wuketits enttäuscht sein: „Evolution und Fortschritt – Mythen, Illusionen, gefährliche Hoffnungen.“

In der Frage, warum Religionen gesellschaftlich durchaus von Vorteil sein können, beschäftigt sich Manfred Spitzer in einem Beitrag mit der „Psychologie der Kaffeekasse“ und den Anpassungsleistungen eines religiösen Denkens oder wenn man sich beobachtet fühlt.

Ob es denn stimme, dass es einen „Dr. med. Jesus“ gäbe, also zum Aspekt von „Gesundheit und Religiosität“ hat Sebastian Murken die wesentlichen Argumente des Für und Wider zusammengestellt.

Über die wissenschaftstheoretischen Probleme von Schöpfungstheorien schreibt Matthias Neukamm in seinem Artikel zu „Kreationismus und Intelligentes Design.“
Eine Thematik, die auch in Europa wichtiger zu werden scheint.

Mit einem zentralen philosophischen Thema des Gottesglaubens beschäftigt sich Gerhard Streminger, wenn er „Von der Güte Gottes und dem Leiden Welt“ schreibt und sich in einem Überblick mit dem Theodizeeproblem beschäftigt.

Über die Eigenart und die Bedeutung des kritischen Denkens scheibt Hans Albert in seinem Traktat über die „Kritische Vernunft“ und der Problematik einer rationalen Begründung und des Dogmatismus.

Darin ist er sich mit Norbert Hoerster einig, der zur objektiven Begründbarkeit moralischer Normen für eine „Moralbegründung ohne Metaphysik“ plädiert.

Und, als Schluss dieser kleinen Übersicht, erläutert Michael Schmidt-Salomon die frohe Botschaft des Hedonismus: „Hedonismus – Sinn und Sinnlichkeit“., ein Plädoyer, in dem er von Bernulf Kanitscheider unterstützt wird: „Der Körper als ‚biologische Stradivari“.

3. Weitere Texte

Wer weiter stöbern möchte, dem sei als weiterer ‚Einstieg’ die Übersicht des Textarchivs der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland empfohlen. Ebenso sind besonders die Internetseiten Horst Groschopp und Michael Schmidt-Salomon zu nennen, die nicht nur zu verschiedenen Themen gearbeitet haben, sondern es auch öffentlich zur Verfügung stellen.

Horst Groschopp, Kulturwissenschaftler und Präsident des Humanistischen Verbandes, hat auf seiner Internetseite ältere und aktuelle Arbeiten u. a. zur Arbeiterkultur, Kulturanalysen, Freidenkerei und zum Humanismus veröffentlicht.

Michael Schmidt-Salomon, Philosoph und Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, hat auf seiner Internetseite ebenso eine Vielzahl von Aufsätzen und Vorträgen zugänglich gemacht.


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